Ein Proust‘sches Interview

Seemagazin Starnberg, 7/2011

Wie ist Ihre momentane Gemütsverfassung?

Abwartend heiter.


Welches Mordserlebnis hat Sie von der Grafikdesignerin zur Krimiautorin gemacht?

Ein Missverständnis. Ich habe vor Jahren einen hoch gelobten Krimi gelesen und ihn anschließend verärgert in die Ecke gepfeffert. Mir hat er nicht gefallen. Das kann ich auch, und das kann ich besser. Dachte ich. Für diesen schon etwas überheblichen Plan, habe ich ganz schnell Abbitte geleistet. Man schreibt nicht einfach mal so einen Roman. Ich habe das mehrhundertseitige Desaster meines ersten Versuchs in einer Schreibtischschublade beigesetzt, mir Fachbücher besorgt, Workshops über das Schreiben besucht und so langsam gelernt, wie man einen Roman schreibt. Vor allem einen, den ich gerne lesen würde. Das Lustige dabei ist, dass ich den Roman, der damals den Anstoß gegeben hat, Jahre später noch einmal gelesen habe. Er ist klasse. Ich habe beim ersten Mal einfach einen falschen Tonfall in meinem Kopfkino gehört.


„Für immer“, Ihr Krimi für das SeeMagazin, spielt in Tutzing. Warum ist das ein guter Tatort?

Tutzing ist so schön normal. Das Böse lauert immer und überall, wie es in einem Song heißt. Wir finden es nicht nur in finsteren Ecken, sondern genau dort, wo wir es eigentlich nicht finden wollen. Vor der eigenen Haustür. Manchmal auch dahinter.


Tag oder Nacht – was ist Ihnen lieber?

Beides ist mir gleich lieb.


Ihre Lieblingsfarbe?

Blau.


Ihr Lieblingsheld? (in der Literatur/ im wahren Leben)

Oh, da gibt es mehrere. Jim Nashe aus Paul Austers Roman „Die Musik des Zufalls“ ist sicher einer. Und Zalman Kamionker aus Charles Lewinskiys Roman „Melnitz“ ein anderer.

Und im richtigen Leben ist das ähnlich. Für mich gibt es nicht den Helden schlechthin. Ich bewundere Leute mit Zivilcourage und Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Männer und Frauen.


Ihre Lieblingsheldin? (in der Literatur/ im wahren Leben)

Wenn es auch hier mehrere sein dürfen? Barbara Havers. Scarlett O’Hara. Und im richtigen Leben: Siehe die vorherige Frage.

Was inspiriert Sie beim Schreiben?

Tausenderlei.


Ihre Rituale beim Schreiben?

Grünen Tee trinken.


Glauben Sie an Gut und Böse?

Ich bin mehr ein Fan der Zwischentöne.


Wenn Sie die freie Wahl hätten, eine Filmbesetzung zum See-Krimi „Für immer“ zu bestimmen. Wer würde dann die Tochter spielen? Wer ihren Ehemann? Wer die Mutter?

Martina Gedeck. Gilbert von Sohlern. Iris Berben.


Lieber „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende oder „Vergebung“ von Stieg Larsson?

Das Geisterhaus.


Baden Sie gern in großen Gefühlen?

Das kann man so sagen.


Ihr Lieblingsort am See?

Kein Ort, sondern ein Gefühl.


Ihre Lieblingsbeschäftigung am See?

In die Wolken gucken.


Mit wem würden Sie gern mal baden gehen?

Mit Konstantin Dühnfort.


Ihr wichtigster Charakterzug?

Beharrlichkeit.


Einer Ihrer Träume?

Ein Häuschen in der Nordbretagne.


Und Ihr Alptraum?

Nicht krimiautorinnenspezifisch, sondern vermutlich das Übliche.


Was macht einen guten Kommissar aus?

Empathie.


Ihr Lieblingssatz (oder kurzer Absatz) aus einem Ihrer Werke ...?

Er entkorkte ein Flasche Pinot Grigio, schenkte ein Glas voll und nahm einen Schluck. Eigentlich ein Sommerwein. Aber irgendeine Form von Widerstand wollte er dem Herbst entgegensetzen.


Welches Ihrer Bücher liegt Ihnen besonders am Herzen – und weshalb?

Ich mag sie alle. Jedes auf seine Art. Das erste „Der Sünde Sold“, weil es mein Erstling ist und ich mit dem Wort ENDE eines meiner Ziele erreicht hatte: Ich wollte wissen, ob es mir gelingt, einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde und habe das in fünfjähriger Arbeit geschafft. Bei „In weißer Stille“ hat mir das Kratzen an der Familienfassade der Heckeroths sehr viel Vergnügen bereitet, und bei „So unselig schön“ habe ich Vicki wie eine Tochter ins Herz geschlossen.


Als Krimiautorin gehören Sie zum Kreis der „Mörderischen Schwestern“. Schreiben Männer andere Krimis?

Den Krimi schlechthin gibt es ja nicht. Es gibt viele Subgenres. Ob nun ein Autor den Schwerpunkt eher bei der Figurenpsychologie setzt oder im spektakulären Mord, den er akribisch vor den Lesern ausbreitet, ob er lieber actiongetrieben schreibt oder voller schwarzem Humor, das ist meiner Meinung nach nicht vom Geschlecht abhängig.


Wer darf Ihre Romane als Erster lesen?

Mein Mann.


Ihr Motto?

Just always look at the bright side of life.